Garten- und Umweltamt-WATCH

Dass das Garten- und Umweltamt momentan aufgrund der heiß erwarteten BUGA viel zu tun haben ist klar. Ob sie deswegen nun schon überregional bekannt sind für ihr hartes Vorgehen was Bäume und bürgerschaftliches Engagement angeht? Wer weiß.

Der Petersberg in Erfurt von oben - vor der BUGA.
Der Petersberg in Erfurt von oben - vor der BUGA.

Die Stadt dreht ab - Update Juni 2020

Am 29. Juni (Montag) wurde in der Thüringer Allgemeinen ein Artikel des "Journalisten" Michael Keller veröffentlicht, der dem deutschen Pressekodex nicht standhält. In ihm kommt allein der Gartenamtsleiter Döll zu Wort und erhält eine große Bühne, um Naturschutzvereine und -initiativen, die es gewagt haben, sich bei Baumfällungen in Schutzgebieten einzumischen, in schlechtes Licht zu stellen, zuzüglich der von ihnen beauftragten Fachleute. Aufhänger: auf Autos umgestürzte Robinien drei Wochen (!) zuvor. Döll nutzt das Exklusivinterview, um Lügen über ein für den BUND im Herbst 2019 ausgestelltes Gutachten zu verbreiten, sowie über eine der Gutachterinnen. (Natürlich vorausgesetzt, der Journalist hat ihn nicht ganz falsch verstanden und zitiert...)

 

Am 30. Juni (Dienstag) erscheint der Folgeartikel, in dem der Öffentlichkeit und auch dem ein oder anderen Stadtrat - die eigentlich die Kontrolle über die Verwaltung innehaben sollten - mitgeteilt wird, dass 43 Bäume im Geschützten Landschaftsbestandteil Petersberg gefällt werden.

 

Am 1. Juli (Mittwoch) und den darauf folgenden zwei Tagen (Donnerstag und Montag) werden die Bäume gefällt. Ein Eilantrag des BUND, der immer mit einem fachlichen Gutachten begründet werden muss, was seine Zeit braucht, kommt zu spät.

 

Prinzipiell scheint Döll seine fachlichen Einschätzungen für die einzigen richtigen zu halten. Doch jeder Gärtner weiß, dass es sehr viele verschiedenen Möglichkeiten gibt, Natur zu gestalten - je nach Zielstellung. Dabei zumindest gesetzliche Regelungen einzuhalten, sollte selbstverständlich sein. Das Verwaltungsgericht Weimar hat im Eilverfahren den im Artikel beschuldigten BUND und seinen von Döll diskreditierten Gutachterinnen Recht gegeben.

 

Die Bürgerinitiative "Stadtbäume statt Leerräume" hat eine sehr gute Reaktion auf besagten Artikel geschrieben, die wir hier wiedergeben:

 

"TA/TLZ berichten heute fast ganzseitig über fünf Bäume, die vor gut drei Wochen umstürzten.

Drei Wochen Zeit, die offenbar gut ausreichten, um die Stadt zu diesem Geschehen in einem Interview ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Drei Wochen, die aber offenbar nicht ausreichten, um auch die von der Stadtverwaltung Gescholtenen und als schuldig Identifizierten zu Wort kommen zu lassen.

Im Gegenteil, selbst das redaktionell ausgewählte Überschriftszitat, über fünf Spalten laufend, macht klar, wer hier als der Dumme dargestellt werden soll und warum. Der Ideologievorwurf ist dafür ein immer gern genommenes Werkzeug. Man stempele sein Gegenüber als ideologisch verblendet und weltfremd ab und schon hat man seinen eigenen Standpunkt inhaltlich und moralisch in ein besseres Licht gerückt.

Das Framing der ausgewählten Überschrift setzt sich sogleich fort in den redaktionell gewählten Formulierungen "Tatort" und "Tattag". Nicht nur Krimiliebhaber wissen jetzt, dass es dann natürlich auch Opfer (Autobesitzer und Stadt) und Täter (BUND, BI) geben muß.

Ganz Tatort-mäßig geht es dann auch weiter. Die Realität wird vom Autor auf eine gut konsumierbare bunte Story runtergebrochen. Die handelnden Personen werden vom Interviewpartner als schwarz und weiß dargestellt. Auf Graustufen verzichtet man der Einfachheit halber. So kommt beim Leser letztlich an, dass die Bäume wegen ein paar Spinnern bei BUND und BI umgefallen sind und wenn diese Ideologie-Täter weiterhin Recht bekommen, dass es dann auch Leichen geben kann.

Ich weiß, das hat der Autor so nicht direkt geschrieben - aber in Kauf genommen, wenn nicht sogar beabsichtigt, dass es so oder ähnlich rüberkommt. Ich frage mich, warum - gleichwohl wissend, auf diese Frage vermutlich keine ehrliche Antwort zu bekommen.


Eine Story mit Graustufen hätte die gescholtene Gegenseite auch zu Wort kommen lassen und zwar an gleicher Stelle. Eine Story mit Graustufen hätte zumindest ein paar Dinge hinterfragt:

Zum Beispiel warum die Stadt bereits seit 2018 von einer akuten Umsturzgefahr wußte, das Fällvorhaben im oberen Wäldchen aber erst im Herbst 2019 auf die Tagesordnung setzte, also zu einem Zeitpunkt mitten im Streit um den Baumkronenpfad?

Zum Beispiel, was das Gutachten des BUND mit dem unteren Wäldchen zu tun haben sollen, obwohl das Gutachten ausschließlich Aussagen zu Bäumen im oberen Wäldchen macht?

Zum Beispiel, was die Klage des BUND im Herbst 2019 mit den nicht erfolgten Fällungen im vorangehenden Jahr 2018 zu tun haben soll?

Zum Beispiel, warum man dem BUND unterstellt, grundsätzlich gegen Baumfällungen zu sein oder in Gänze gegen diese geklagt zu haben, obwohl es vor Gericht nur um den konkreten Umfang von Fällungen ging.

Zum Beispiel, warum die Umsturzgründe einerseits als unbekannt beschrieben sind und man andererseits die Rußrindenkrankheit als Grund darstellt, obwohl diese nur Ahorn aber keine Robinien befällt?

Zum Beispiel, warum die Argumente der Stadt sachlich sein sollen, den Argumenten der Naturschützer aber pauschal jede Sachlichkeit abgesprochen wird?

Zum Beispiel wie die Stadtverwaltung gedenkt, das Vertrauen der Bürger hinsichtlich des Umgangs mit unserer Stadtnatur wieder herzustellen, anstatt sich über deren Mißtrauen aufzuregen, welches in gemachten Erfahrungen begründet ist?

Zum Beispiel, warum die Haltung der Naturschützer zum  Baumkronenpfad als verhärtet angesehen wird, das Festhalten der Verwaltung an diesem umstrittenen Bauwerk, trotz alternativem Rundweg, aber nicht?

Und letztlich, warum sich die Naturschützer, wieder mal, als ideologisch fehlgeleitet diffamieren lassen müssen, obwohl sogar ein Gericht ihnen in allen Punkten Recht gab?

Aus unserer Sicht, haben es Graustufen bei Grünfragen in Erfurt offenbar schwer. Aber vermutlich liegt das nur an unserer, wie Herr Döll sagte, "völlig weltfremden" Sichtweise. Gern stehe ich Ihnen zu einem mündlichen Austausch über selbige zur Verfügung."

 

Webseite der Initiative: www.baumstark-erfurt.de/

Facebookseite der Initiative: https://www.facebook.com/stadtbaeume/

Anmerkung:

Der Artikel enthält soviel Manipulatives, Verzerrtes und Unwahres, dass wir keinen Wert darauf legen, dass er gut sichtbar ist. Wenn Sie sich über die Hintergründe und Tatsachen informieren möchten, ist die facebook Seite der Bürgerinitiative "Stadtbäume statt Leerräume" eine gute Quelle. Oder eben selbst mitmachen und mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören!