Bäume in Erfurt schützen und mehren

Bäume in der Stadt leben prekär. Wir wollen sie pflegen und Fällungen oder Kappungen vermeiden helfen.

Denn nirgendwo sind Bäume so unmittelbar wichtig für unsere Lebensqualität wie hier, in der Stadt.

 

Stadtbäume

  • filtern unsere Luft von Staub, Bakterien, Pilzsporen, Stickoxiden u.ä. (7.000 kg/Jahr*),
  • produzieren Sauerstoff (370 l/Stunde*),
  • kühlen die Luft an heißen Sommertagen durch Verdunstung (400 l Wasser/heißer Sonnentag*),
  • bremsen durch Beschattung die weitere Aufheizung von Asphaltflächen, Fassaden u.ä.,
  • schwächen Schallreflexionen zwischen Häuserfronten,
  • lassen Autofahrer durch die optische Verengung des Straßenraumes langsamer werden,
  • gestalten Räume,
  • sind an sich schön,
  • haben vielerlei positive Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Menschen,
  • bieten - nebenbei bemerkt ;-) - auch anderen Lebewesen als uns Menschen ein paar Vorzüge.

Quelle: Bund  Naturschutz in Bayern e.V. (2017): Aktionsleitfaden Zukunftschancen für Freund Baum

*bezieht sich auf einen durchschnittlichen Laubbaum von 15-20 Metern Höhe bei einem Jahresniederschlag von 800 mm. Jahresniederschlag Erfurt (Durchschnitt von 1981-2010): 540 mm (www.wetterkontor.de)

Platanenallee in Katalonien (Spanien).
Platanenallee in Katalonien (Spanien).

Bäume pflegen

 

Die Grüne Liga Thüringen bietet eine Weiterbildung zur/zum Streuobst-fachwirt/in an, die nebenberuflich gemeistert werden kann. Man lernt von ausgewiesenen Fachleuten alles über Obstbäume.

Streuobstwiesen sind die artenreichsten Biotope unserer Kulturlandschaft. Es wäre sehr viel gewonnen, würden alle Thüringer Streuobstwiesen gut bewirtschaftet werden. Kaufen Sie sich eine! Und wenn das nichts für Sie ist - kaufen Sie Saft von Thüringer Streuobstwiesen!

 



Bäume schützen


Die kommunalen Baumschutzsatzungen dienen dem Schutz der Bäume auf Privatgrundstücken. Hier die Erfurter.

 

In Erfurt gibt es neben dem BUND und uns eine aktive Bürgerinitative für mehr "Stadtbäume statt Leerräume". Sie ist sehr engagiert und erfolgreich.

 

Großes Thema sind die Fällungen von Bäumen im Geschützten Landschaftsbestandteil "Petersberger Wäldchen", das durch einen sogenannten, für die BUGA 2021 geplanten "Bastionskronenpfad" zerschnitten werden soll. Da schon im Herbst 2019 ebenda 73 Bäume aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden sollten, hat der BUND ein Gegengutachten beauftragt, das zu dem Schluss kam, dass bei 63 der 73 Bäumen (noch, Stand 10/2019) keine Gefährdung der Verkehrssicherheit vorliegt. Im Eilverfahren hat das Verwaltungsgericht Weimar der Klage des BUND entsprochen (Urteil vom 11.2.2020).

 

Der Stadt scheint dieses Thema sehr wichtig zu sein, so dass es sogar immer wieder zu Verleumdungen und Falschaussagen über dieses Verfahren und das Gegengutachten kommt. Daher haben wir uns entschlossen, die Dokumente hier öffentlich zugänglich zu machen.

 

Download
Stellungnahme im Auftrag des BUND
GLB Petersberger Wäldchen_ Fachliche Ste
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Die Stadtverwaltung dreht durch -  Update vom Juli 2020

TA/TLZ berichten heute fast ganzseitig über fünf Bäume, die vor gut drei Wochen umstürzten.

Drei Wochen Zeit, die offenbar gut ausreichten, um die Stadt zu diesem Geschehen in einem Interview ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Drei Wochen, die aber offenbar nicht ausreichten, um auch die von der Stadtverwaltung Gescholtenen und als schuldig Identifizierten zu Wort kommen zu lassen.

Im Gegenteil, selbst das redaktionell ausgewählte Überschriftszitat, über fünf Spalten laufend, macht klar, wer hier als der Dumme dargestellt werden soll und warum. Der Ideologievorwurf ist dafür ein immer gern genommenes Werkzeug. Man stempele sein Gegenüber als ideologisch verblendet und weltfremd ab und schon hat man seinen eigenen Standpunkt inhaltlich und moralisch in ein besseres Licht gerückt.

Das Framing der ausgewählten Überschrift setzt sich sogleich fort in den redaktionell gewählten Formulierungen "Tatort" und "Tattag". Nicht nur Krimiliebhaber wissen jetzt, dass es dann natürlich auch Opfer (Autobesitzer und Stadt) und Täter (BUND, BI) geben muß.

Ganz Tatort-mäßig geht es dann auch weiter. Die Realität wird vom Autor auf eine gut konsumierbare bunte Story runtergebrochen. Die handelnden Personen werden vom Interviewpartner als schwarz und weiß dargestellt. Auf Graustufen verzichtet man der Einfachheit halber. So kommt beim Leser letztlich an, dass die Bäume wegen ein paar Spinnern bei BUND und BI umgefallen sind und wenn diese Ideologie-Täter weiterhin Recht bekommen, dass es dann auch Leichen geben kann.

Ich weiß, das hat der Autor so nicht direkt geschrieben - aber in Kauf genommen, wenn nicht sogar beabsichtigt, dass es so oder ähnlich rüberkommt. Ich frage mich, warum - gleichwohl wissend, auf diese Frage vermutlich keine ehrliche Antwort zu bekommen.


Eine Story mit Graustufen hätte die gescholtene Gegenseite auch zu Wort kommen lassen und zwar an gleicher Stelle. Eine Story mit Graustufen hätte zumindest ein paar Dinge hinterfragt:

Zum Beispiel warum die Stadt bereits seit 2018 von einer akuten Umsturzgefahr wußte, das Fällvorhaben im oberen Wäldchen aber erst im Herbst 2019 auf die Tagesordnung setzte, also zu einem Zeitpunkt mitten im Streit um den Baumkronenpfad?

Zum Beispiel, was das Gutachten des BUND mit dem unteren Wäldchen zu tun haben sollen, obwohl das Gutachten ausschließlich Aussagen zu Bäumen im oberen Wäldchen macht?

Zum Beispiel, was die Klage des BUND im Herbst 2019 mit den nicht erfolgten Fällungen im vorangehenden Jahr 2018 zu tun haben soll?

Zum Beispiel, warum man dem BUND unterstellt, grundsätzlich gegen Baumfällungen zu sein oder in Gänze gegen diese geklagt zu haben, obwohl es vor Gericht nur um den konkreten Umfang von Fällungen ging.

Zum Beispiel, warum die Umsturzgründe einerseits als unbekannt beschrieben sind und man andererseits die Rußrindenkrankheit als Grund darstellt, obwohl diese nur Ahorn aber keine Robinien befällt?

Zum Beispiel, warum die Argumente der Stadt sachlich sein sollen, den Argumenten der Naturschützer aber pauschal jede Sachlichkeit abgesprochen wird?

Zum Beispiel wie die Stadtverwaltung gedenkt, das Vertrauen der Bürger hinsichtlich des Umgangs mit unserer Stadtnatur wieder herzustellen, anstatt sich über deren Mißtrauen aufzuregen, welches in gemachten Erfahrungen begründet ist?

Zum Beispiel, warum die Haltung der Naturschützer zum  Baumkronenpfad als verhärtet angesehen wird, das Festhalten der Verwaltung an diesem umstrittenen Bauwerk, trotz alternativem Rundweg, aber nicht?

Und letztlich, warum sich die Naturschützer, wieder mal, als ideologisch fehlgeleitet diffamieren lassen müssen, obwohl sogar ein Gericht ihnen in allen Punkten Recht gab?


Aus unserer Sicht, haben es Graustufen bei Grünfragen in Erfurt offenbar schwer. Aber vermutlich liegt das nur an unserer, wie Herr Döll sagte, "völlig weltfremden" Sichtweise. Gern stehe ich Ihnen zu einem mündlichen Austausch über selbige zur Verfügung.




Es grüßt Sie
Christine Beckert

Sprecherin der Bürgerinitiative "Stadtbäume statt Leerräume"



Bäume mehren


Machen ist wie wollen, nur krasser!

Zum Beispiel hier: www.bergwaldprojekt.de

 



Literatur


Eine bildreiche pdf von Prof. Borchardt (Landschaftsarchitekt):
"Heißes Pflaster für Stadtbäume. Besser verstehen, besser beistehen."

 

Interessante Informationen zum Thema hat der BN (Bund Naturschutz in Bayern e.V.) hier aufbereitet. Größtenteils kostenfreie Infomaterialien können hier bezogen werden.