Kahlschlag für die BUGA

 

"Erfurt - Stadt der Bäume" lautet eine Überschrift auf der Webseite der Stadtverwaltung.
Und weiter unten heißt es:
"Der Erfurter Baumbestand ist gut geschützt".

 

Die folgenden Bilder zeigen, wie das in der Realität aussieht.

 

Baumfällungen in der nördlichen Gera-Aue
Ein Spaziergang durch die nördliche Gera-Aue
► Bilder, die für sich sprechen

 

Die Gehölzrodungen im nördlichen Bereich der Gera nehmen ein gewaltiges Ausmaß an. Nicht nur etliche gesunde Bäume werden vernichtet, sondern ganze Gehölzflächen. Das alles geschieht im Zuge ökologischer Hochwasserschutzmaßnahmen und in Vorbereitung der BUGA 2021. Die radikale Neugestaltung der nördlichen Gera-Aue ist im vollen Gange. Warum das gesamte Areal auf Kosten Tausender Bäume und Büsche komplett neu modelliert werden muss, ist nicht zu begreifen. Nach wie vor wird von den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung der Wert alter Bäume für das Stadtklima und als Lebensraum ignoriert. Die Bäume sind nichts weiter als Kulissen in der Landschaft, die hochtrabenden Umgestaltungsideen im Wege stehen. Landschaftsgestaltung geht über alles. Die Landschaftsarchitekten brauchen ihre Freiräume, um sich entfalten zu können. Da kann auf Bäume keine Rücksicht genommen werden.

Der Nordpark ist das beste Beispiel dafür. An seiner Stelle soll ein "hübscher" Park entstehen, wie man in der BUGA-Sprechstunde am 31.01.2019 im Rathaus vernehmen konnte. Wie fragwürdig die Abholzungen in der Gera-Aue sind, zeigt die Antwort auf die Frage eines Bürgers, welchen Handlungsspielraum es jetzt noch gäbe: "Neue Überlegungen im gewissen Rahmen sind noch möglich." Auf unsere Bitte an das Garten- und Friedhofsamt, diese Aussage zu konkretisieren, d.h. zu sagen, wo Fällungen noch vermieden werden können, wurde gar nicht erst reagiert. Das zeigt wieder einmal, dass Bürger und Umweltverbände bei den Entscheidungsprozessen nicht einbezogen bzw. nicht ernst genommen werden, auch wenn man sich ständig auf die Einhaltung formaler Beteiligungsvorschriften beruft.

Natürlich ist ein Teil der Maßnahmen in der nördlichen Gera-Aue auch aus Sicht des Naturschutzes grundsätzlich zu befürworten, wie z.B. der Rückbau der beiden Wehre, die Öffnung des Marbachs, die Umgestaltung des Geländes des ehemaligen Klärwerks. Dafür und auch für den Brückenneubau sind viele Fällungen unumgänglich. An vielen Stellen wären jedoch Fällungen vermeidbar gewesen, wenn man Wege etwas anders geführt, Uferböschungen abwechslungsreich mit flachen und steilen Ufern gestaltet und nicht jeden Baum gleich gefällt hätte, in dessen Wurzelraum auch nur geringfügige Erdarbeiten stattfinden. Aber auch durch solche Fällungen, die für langfristige ökologische Verbesserungen erforderlich sind, geht der Stadt ein Stück Wildnis verloren und vielen Tieren ein Rückzugsraum. Die Funktion der Gera als Lebensstätte und Biotopverbund macht eine adäquate Neugestaltung erforderlich. Die bisherige Ausrichtung als Erholungsgebiet wird dem nicht ausreichend gerecht.

Die Gera hat eine zentrale Funktion im Biotopverbund: Ihre grünen Ufer vernetzen Möbisburg mit Kühnhausen und ermöglichen verschiedenen Arten von einem Biotop zum anderen zu gelangen, um sich neuen Lebensraum zu erschließen, zur Nahrungssuche oder zur Fortpflanzung. Dazu sind aber naturnahe Strukturen notwendig und keine Zierrasenflächen. Darüber hinaus sind die Gehölzbestände ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten und anderen Wirbellosen und bieten Vögeln und Fledermäusen Nahrung und Lebensstätte. Um die starken Eingriffe in die Natur langfristig einigermaßen auszugleichen, werden zahlreiche Neupflanzungen und die Duldung natürlicher Strukturen nötig sein. Es muss darauf hingearbeitet werden, dass entlang der Uferböschung wieder ein relativ geschlossener Gehölzbestand entsteht - wenigstens wechselseitig an jeweils einer Uferseite. In den offenen Bereichen ist durch behutsame extensive Pflege eine natürliche Entwicklung von feuchten Hochstauden- und Saumgesellschaften, als Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Insektenarten, anzustreben.

Yvonne Schneemann / Bernd Krüger

 

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Bauvorhaben am Nonnensteg

Altstadt-Idylle zerstört

 

Pressemitteilung des NABU Erfurt vom 09.01.2019

 

Der Vorstand des NABU Erfurt hat mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, dass ein Grundstück, unmittelbar am Nonnensteg, mit einem Wohnhaus bebaut werden soll. Das Grundstück liegt unzweifelhaft zumindest teilweise in einem nach § 30 Abs. 2 BNatSchG gesetzlich geschützten Biotop:

„Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung folgender Biotope führen können, sind verboten:

1. natürliche oder naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche, Altarme und regelmäßig überschwemmten Bereiche,…“

Zulässige Ausnahmen nach § 30 Abs. 3 BNatSchG kann es hier nicht geben, da eine gleichartige Ausgleichbarkeit, d.h. die Wiederherstellung eines naturnahen Uferbereiches im innerstädtischen Zusammenhang, kaum realisierbar ist. Folglich ist die Bebauung des Grundstücks nach § 30 Abs. 2 BNatSchG im Uferbereich ausgeschlossen.

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So hat die Idylle vor kurzem noch ausgesehen. Die Esche am rechten Ufer ist verschwunden, ebenso die anderen Bäume, die dort im Bereich des betreffenden Grundstücks standen.

Die Beurteilung des Bauvorhabens im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens nach § 34 BauGB ignoriert die oben genannten naturschutzrechtlichen Bestimmungen völlig und ist deshalb höchst fragwürdig. Hinzu kommt noch, dass im Gegensatz zur Auslegung des § 34 BauGB durch das Bauamt durchaus eine deutliche Beeinträchtigung des Ortsbildes vorliegt. Das Ortsbild war einerseits geprägt durch einen naturnahen Bewuchs mit Ufergehölzen, die inzwischen im Bereich des Baugrundstücks beseitigt sind. Andererseits wird das unter Auflagen des Denkmalschutzes aufwändig sanierte Wohnhaus auf dem Nachbargrundstück zum größten Teil durch den Neubau verdeckt. Was nützt dann der Denkmalschutz, wenn das denkmalgeschützte Gebäude zugebaut wird?

Wir möchten an dieser Stelle nochmals ausführlich auf die Funktion und den Wert von Ufergehölzen hinweisen, sie dienen

- als wesentliches und charakteristisches Element des Stadt- und Ortsbildes
- als Lebensraum u.a. für Insekten, Vögel und Niederwild
- als Nahrungslieferant für die gewässerbezogenen Arten
- der Biotopvernetzung, die die Wanderung und Ausbreitung von Arten begünstigt
- der Reduzierung von Stoffeinträgen wie erodierte Bodenteilchen, Nährstoffe, Dünger und Pflanzenschutzmittel
- der Verbesserung der Gewässergüte (Selbstreinigung)
- dem klimatischen Ausgleich durch Beschattung und der Verbesserung des Kleinklimas
- der Hochwasservorsorge durch Wasserrückhalt in der Fläche
- dem Schutz erosionsgefährdeter Ufer
- der Steigerung des Freizeit- und Erholungswertes
- der Rohstoff- und Biomasseproduktion.

„Die Funktionen von Ufergehölzen sind vielfältig. Fließgewässer mit ihren Lebensgemeinschaften sind komplexe dynamische Systeme, deren Einzelelemente einander bedingen. Insbesondere mit dem begleitenden Gehölzbestand stehen Fließgewässer in enger Wechselwirkung. Ufergehölze haben maßgeblichen Einfluss auf die Gewässerökologie sowie die Habitat- und Strukturvielfalt der Gewässer … Sie haben Auswirkungen auf das Abflussvermögen und können einen wesentlichen Beitrag für den Hochwasser- und Erosionsschutz sowie den Rückhalt des Wassers in der Fläche (fließende Retention) leisten. Nicht zuletzt tragen sie maßgeblich zur Gestaltung des Ortsbilds und Verbesserung der Lebensqualität … bei.
In Thüringen wie auch in ganz Deutschland wurden natürliche und naturnahe Lebensräume überwiegend auf nicht wirtschaftlich nutzbare Restflächen zurückgedrängt. Vor diesem Hintergrund kommt Fließgewässern als vernetzende Elemente sowie ihrer naturnahen Gestaltung und Entwicklung eine besondere Bedeutung zu, ganz gleich ob sie in der freien Landschaft oder in Siedlungslagen, Dörfern oder Städten verlaufen.“

(aus „Gehölze an Fließgewässern“ – Anlage, Entwicklung und Pflege, Teil 1, Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie)

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Die Bäume, die hier im Sommer noch die Stadtlandschaft prägten, sind weg - so viel zu den von der Stadtverwaltung proklamierten Themen „Biotopverbund“ und „Grüne Lebensadern“. Das graue denkmalgeschützte Gebäude im Hintergrund würde durch den Neubau, der fast bis ans Ufer reicht, völlig verdeckt – aber das Ortsbild soll hierdurch „nicht beeinträchtigt“ werden.
Es ist unverständlich, warum das Umwelt und Naturschutzamt vor diesem Hintergrund nicht auf die Einhaltung der Bestimmungen der Naturschutzgesetze gepocht hat und stattdessen eine Baumfällgenehmigung für das unserer Einschätzung nach rechtswidrige Bauvorhaben erteilt hat. Die wohlklingenden Formulierungen im Landschaftsplan, Rahmenkonzept „Masterplan Grün“, sind damit nichts als Schall und Rauch:

„Die Gewässer II. Ordnung zählen neben den extensiv genutzten Feucht- und Trockenbiotopen zu den ökologisch wertvollsten Bereichen in Erfurt. … Auf die Mittel und Möglichkeiten der Landschaftsplanung bezogen lassen sich folgende Ziele ableiten:

- Fließgewässer ökologisch aufwerten (Verbesserung der Gewässerstruktur) und als grüne Lebensadern entwickeln…
- Grund- und Oberflächenwasser vor diffusen Nährstoffeinträgen und Gefährdungen schützen (Einrichten von Gewässerrandstreifen)
- Multifunktionalität anstreben (Gewässerökologie, sauberes Wasser, Biotopverbund, Hochwasser/Retention, Erholung)…“ (Pkt. 4.1.2 Gewässer, Seite 67)

Weiterhin heißt es unter Pkt. 5.1.1 Altstadt, Seite 90: „Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen: … Vernetzung vorhandener Strukturen zu einer Grünverbindung möglichst nah am Verlauf von Walkstrom/Bergstrom, Breitstrom…“

Die Handlungen in der Praxis zeigen das genaue Gegenteil. Die planerischen Vorgaben werden missachtet, andere Interessen haben offensichtlich den Vorrang. Auch die Zustimmung des Amtes für Stadtentwicklung und Stadtplanung zu der Baugenehmigung ist zu hinterfragen, da im „Integrierten Stadtentwicklungskonzept Erfurt 2020“ auf Seite 74 ausgeführt wird: „Ziele: … Herausarbeiten der Wasserläufe der Gera zu stadtbildbestimmenden Grünachsen…“

Wir fordern die Stadtverwaltung auf, die nach unserer Auffassung rechtswidrige Baugenehmigung für das besagte Grundstück zurückzunehmen. Außerdem halten wir eine Neubepflanzung des betreffenden Uferbereichs mit standortgerechten Gehölzen für dringend angezeigt. Einen entsprechenden Brief haben wir an die zuständigen Ämter geschickt.

Wir erwarten eine kurzfristige Stellungnahme des Bauamtes, des Umwelt- und Naturschutzamtes und des Amtes für Stadtentwicklung und Stadtplanung.

Bernd Krüger

 

Die Pressemitteilung ist am 29.01.2019 mit stark verändertem Inhalt in der Zeitung erschienen. Die Stadtverwaltung hat die Schutzwürdigkeit der betreffenden Uferbepflanzung über die Presse dementiert. Die ausführliche Antwort auf den Brief steht noch aus.

 

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Schotterung am Linderbach

Blinder Aktionismus beim Hochwasserschutz

 

Pressemitteilung des NABU Erfurt vom 12.06.2018 (von der Zeitung nicht veröffentlicht)

 

Da der NABU im TA-Beitrag vom 9. Juni (► "Hochwasserschutz präsentiert sich im Einklang mit der Natur") direkt angesprochen wurde, möchten wir dies zum Anlass nehmen, unsere Kritik an der vermeintlichen Hochwasserschutzmaßnahme am Linderbach in Kleinmölsen zu erneuern.

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Schotter auf der ganzen Strecke

Auch das aktuelle Foto zeigt, dass unsere Einwände vollkommen berechtigt waren. Wir haben nie daran gezweifelt, dass sich die Böschung wieder begrünen wird. Allerdings kann man auch auf dem Zeitungsfoto auf den ersten Blick erkennen, dass am Böschungsfuß und auf der Bachsohle nur eine teilweise überflutete Steinwüste vorhanden ist. Auf den Böschungen wächst eine Rasenmischung aus dem Landschaftsbaukatalog. Die beigemischten Ackerwildkräuter lassen das ganze schön bunt aussehen und werden bald verschwunden sein.

Von einer gewässertypischen Ufervegetation ist so gut wie nichts zu sehen. Im Bach selbst fehlen jegliche ökologische Nischen, weil er an jeder Stelle gleich breit, gleich flach und gleich schnell ist. Aufgrund der kompletten Schotterung, die für den behaupteten Zweck Hochwasserschutz nutzlos ist, wird sich daran auch auf lange Zeit nichts ändern.

Zur Sorge bezüglich der Pflege lässt sich folgendes festhalten: Ein naturnahes Gewässer braucht so gut wie keine Pflege. Selbst auf dem Foto des Linderbaches in Kleinmölsen ist kein Pflegebedarf erkennbar. Da es in Wirklichkeit offensichtlich um eine "hübsch" gemähte Böschung geht, wie eine Besichtigung insbesondere in der Straße „Am Bach“ gezeigt hat, sei darauf hingewiesen, dass im Schatten von Ufergehölzen wesentlich weniger Aufwuchs von Gräsern und Stauden entsteht.

Martin Schmidt (für den NABU Erfurt)

 

Pressemitteilung des NABU Erfurt vom 07.02.2018

 

Im Zeitraum Dezember 2017 / Januar 2018 wurde der Linderbach im Bereich Kleinmölsen / Großmölsen ausgebaggert und die Ufer wurden mit Schotter befestigt. Nachdem bereits 2015 und 2016 am Linderbach in Kerspleben und Töttleben von der Stadtverwaltung Erfurt sogenannte Gewässerunterhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden waren, hat die Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Aue diese Natur zerstörerische Aktion nun fortgesetzt.

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Da wo der Schotter anfängt, verläuft ungefähr die Stadtgrenze von Erfurt. Im Hintergrund sieht man noch den vorher vorhandenen Uferbewuchs und vor allem vielfältige Bachsohle und Bachufer. Aber auch dort fehlen schon die alten Weiden, die bis April 2015 dort standen.

In aller Regel begründet man dieses höchst fragwürdige Handeln mit dem Hochwasserschutz. Die Fließgeschwindigkeit des Baches soll erhöht werden. Dabei ist seit langem bekannt, dass dadurch bei Hochwasser die Katastrophen an den Unterläufen der Flüsse, in diesem Fall an Saale und Elbe, verschlimmert werden. Aber auch am Ort der Gewässerbaumaßnahmen selbst erhöht sich die Gefahr, dass sich die Schäden für die Anwohner bei sehr hohem Wasserstand durch die Wucht des Wassers verstärken. Dabei ist zu bezweifeln, ob die Befestigung mit grobem Steinwurf überhaupt zu einem verbesserten Abfluss führt. Im konkreten Fall hätte eine behutsame Aufweitung des Abflussprofils verbunden mit einem niedrigen Wall zwischen Bach und Bebauung viel eher zur Reduzierung der Hochwassergefahr geführt.

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Die Stümpfe der Weiden auf der Erfurter Seite im April 2015.

Am effektivsten für den Hochwasserschutz ist die Schaffung von Überflutungsflächen – keine neue Erkenntnis, sondern in vielen Fachbeiträgen nachzulesen. Das bedeutet auch, dass zu einem gewissen Teil Ackerland in Grünland umgewandelt werden müsste. Da stellt sich natürlich die Frage nach dem finanziellen Ausgleich für die Agrarbetriebe. Aber diese Kosten muss man auch den Finanzen gegenüberstellen, die ansonsten für die Beseitigung der Hochwasserschäden gebraucht werden.

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Das Ergebnis der „Gewässerunterhaltungsmaßnahmen“ im Gebiet von Kleinmölsen. Hier haben ebenfalls Weiden gestanden.

Überall geht der Trend in Richtung Renaturierung bzw. Revitalisierung der Fluss- und Bachläufe, aber in Erfurt und im Kreis Sömmerda hat sich das scheinbar noch nicht herumgesprochen, da geht es noch anders herum. Die Verantwortlichen sollten sich intensiver mit dieser Thematik befassen, ehe sie in blinden Aktionismus verfallen. Es ist absurd, alte Weiden, die eine natürliche Uferbefestigung darstellen, zu beseitigen und durch Schotter zu ersetzen. Lediglich parallel zur Straße „Am Bach“ in Kleinmölsen sowie an der Straßenbrücke und der Feldwegbrücke, im unmittelbaren Umfeld von Widerlagern, kann die Schotterung zum Schutz der Bauwerke sinnvoll sein. Gefährdungen von Bebauung oder Infrastruktur durch eventuell auftretende Ufererosion sind in allen anderen vom Ausbau betroffenen Bereichen weder zu erkennen noch zu befürchten. Die Verhinderung von Uferabbrüchen an den Prallhängen durch Verbaumaßnahmen führt zu einer verstärkten Sohlenerosion und somit Vertiefung des Baches, verbunden mit einer Gefährdung der Stabilität der übrigen Uferbereiche.

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So hat das mal ausgesehen. Es ist die gleiche Stelle, die das vorige Bild zeigt. Warum mussten die Weiden mit Stumpf und Stiel beseitigt werden?    ► weitere Fotos

Abgesehen von dem geringen Effekt für den Hochwasserschutz, entstehen durch diese massiven Eingriffe in die natürlichen Wasserläufe immense Schäden an der Natur. Die Kleinlebewesen in dem Gewässer werden dabei nahezu komplett ausgeräumt. Der Eisvogel und andere Vögel finden keine Nahrung mehr. Die vorher vorhandene, vielfältige Gewässerstruktur, wozu auch Inseln und Flachstellen gehören, wird zerstört. Es muss daran gedacht werden, dass die Fließgewässer von einer Vielzahl besonders geschützter Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden. Aber Weiden und andere Bepflanzungen der Uferbereiche bieten nicht nur Lebensräume für die Tierwelt, sie beleben auch das Ortsbild, speichern Wasser und bieten Schutz gegen Oberflächeneinträge.

Bernd Krüger / Martin Schmidt

 

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Bebauungsplan ALT614 "Am Hügel"

 

Pressemitteilung des NABU Erfurt vom 15.01.2018

 

Im Bereich Huttenplatz / Am Hügel soll eine Baulücke geschlossen werden. Wo derzeit Brachflächen als Parkplätze genutzt werden, sollen zukünftig neue Wohnhäuser und ein Parkhaus entstehen. Das ist zunächst einmal begrüßenswert. Aber warum muss dafür beinahe der gesamte Baumbestand weichen? Von den derzeit 37 Bäumen, darunter einige von beachtlicher Größe, sollen nur fünf belassen werden.

Eine bauliche oder technische Notwendigkeit besteht keineswegs. In diesem Planungsstadium können die Baufelder ebenso gut so abgesteckt werden, dass die gesunden Bäume erhalten bleiben. Doch mit größter Leichtfertigkeit wird davon ausgegangen, dass ein alter Baum durch einen neuen ersetzt werden kann. Dies ist aber mitnichten so! Aufgrund der Trockenheit schafft es ein Teil der neu gepflanzten Bäume nicht einmal anzuwachsen, trotz immer häufigeren Wässerns, bis sie ihre volle Größe erreichen, vergeht ein halbes Menschenleben.

Aber genau diese großen Bäume werden gebraucht. Nicht nur von Amsel, Drossel, Fink und Star sondern von uns. Denn sie machen das Leben in der Stadt erträglich, indem sie Sauerstoff produzieren, Staub filtern, Schatten spenden, Schall dämmen und eine Atmosphäre des Wohlbefindens schaffen.

Diese Lebensqualität ist für uns essentiell und sollte in bestehende wie in zukünftige Planungen als harter Fakt eingehen.

Yvonne Schneemann

 

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Windenergie-Vorranggebiet W-14 Schwerborn / Kerspleben (04.12.2017)

 

Die Windenergie spielt eine bedeutende Rolle bei der Erzeugung erneuerbarer Energien und für die Erreichung von Klimaschutzzielen. Der weitere Ausbau der Windkraft erfordert aber die Lösung aller technischen Probleme, insbesondere des Problems der Energiespeicherung und er darf nicht zu Beeinträchtigungen von Wohnsiedlungen führen und nicht zu Lasten von Natur und Landschaft gehen.

In seiner Stellungnahme zur Änderung des Regionalplanes Mittelthüringen, 2. Entwurf des Sachlichen Teilplanes „Windenergie“ vom 05.09.2017, hat der NABU Kreisverband Erfurt darauf hingewiesen, dass durch die Ausweisung der Vorrangfläche W-14 erhebliche artenschutzrechtliche Konflikte entstehen.

Windkraft
  © Manfred Mazi / PIXELIO

Die Vorrangfläche liegt in einem Rotmilangebiet mit ausgesprochen hoher Dichte der Brutvorkommen, wo ebenfalls Schwarzmilane heimisch sind. Der Rotmilan und der Schwarzmilan gehören zu den streng geschützten Vogelarten. Für den Schutz und Erhalt des Rotmilans trägt Deutschland eine ganz besondere Verantwortung, da über die Hälfte des weltweiten Bestandes in Deutschland brütet.

Kollisionen mit Windkraftanlagen sind, neben der Intensivierung der Landwirtschaft, eine wesentliche Ursache für den Bestandsrückgang des Rotmilans in den letzten Jahren. Der Rotmilan ist das zweithäufigste Kollisionsopfer an Windkraftanlagen. Die Kollisionsgefahr erhöht sich mit der Ausdehnung und der Dichte der Windkraftanlagen. Aus diesem Grund sind bei der Ausweisung von WEA-Vorranggebieten die Populationen des Rotmilans besonders zu berücksichtigen, um seinen Bestand zu erhalten.

Innerhalb der Gemarkungen Schwerborn, Kerspleben und Töttleben, die nahezu die gesamte Vorrangfläche W-14 abdecken, wurden in den letzten beiden Jahren fünf Brutvorkommen des Rotmilans und zwei Brutvorkommen des Schwarzmilans festgestellt. Innerhalb eines Betrachtungsraumes von 4000 m Radius rings um die Vorrangfläche W-14 gibt es außerdem vier bekannte Schlaf- bzw. Rastplätze des Rotmilans, wo bis zu 60 Individuen gezählt wurden. Des Weiteren existieren in dem Betrachtungsraum weitere drei Horste des Rotmilans sowie ein Horst des Schwarzmilans. Es ist häufig zu beobachten, dass sich Rotmilane im Bereich oder nahe der Vorrangfläche zur Nahrungssuche niederlassen oder die Vorrangfläche überqueren. Im Winter wurden mehrfach größere Gruppen von Rotmilanen (bis zu 15 Individuen) gesichtet, die die Vorrangfläche überflogen haben.

Rotmilan
  Rotmilan      © Gabriela Neumeier / PIXELIO

Von der TLUG wird ein Abstand der Windenergieanlagen (WEA) zu Brutvorkommen des Rotmilans von 1500 m empfohlen - entsprechend der Abstandsempfehlungen der Vogelschutzwarten der Länder („Neues Helgoländer Papier“). Innerhalb der Vorrangfläche W-14 können diese Abstände nicht eingehalten werden. Auch eine Verschiebung der Fläche ist wegen der Siedlungsnähe nicht möglich.

Neben Rotmilan und Schwarzmilan kommt als weitere WEA-sensible Vogelart der Baumfalke vor. Das gesamte Vorranggebiet W-14 befindet sich gemäß „Avifaunistischem Fachbeitrag zur Fortschreibung der Regionalpläne 2015 – 2018“ der TLUG in einem Dichtezentrum des Baumfalken. Dichtezentren dienen dem Erhalt der Population WEA-sensibler Arten und sind daher von WEA grundsätzlich und nicht nur weitestgehend freizuhalten.

Wegen der hohen Dichte an Brutvorkommen des Rotmilans, des Schwarzmilans und des Baumfalken innerhalb und in der näheren Umgebung der Vorrangfläche W-14, sowie wegen der hohen Frequentierung dieses Gebietes insbesondere durch den Rotmilan bei der Nahrungssuche und beim Aufsuchen von Schlaf- und Rastplätzen fordern wir mit Nachdruck, die artenschutzrechtlichen Vorgaben zu beachten, um eine erhebliche Beeinträchtigung der Populationen der genannten Arten zu vermeiden. Deshalb muss die Ausweisung des Vorranggebietes W-14 für eine Erweiterung der Windkraftanlagen abgelehnt werden.

Bernd Krüger

 

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Ein neuer Radweg am Flutgraben?

 

Position des NABU Erfurt zum Vorhaben der Stadt (10.08.2017)

 

Braucht Erfurt einen neuen Radweg? Einen? Gleich mehrere Strecken stellen für RadfahrerInnen seit Jahren ein Problem dar, beispielsweise die Franckestraße und die Schlachthofstraße. Lösungen für diese und weitere Abschnitte legte die Stadt bereits 2015 in dem ► Radverkehrskonzept vor.

Während die Stadt mit der Umsetzung dieses Konzeptes auf sich warten lässt, verfolgt sie jetzt die Idee, entlang des Flutgrabens einen schnellen Radweg bauen zu lassen. Damit wird zwar keines der dringlichen Probleme des innerstädtischen Radverkehrs gelöst, aber die geordnete "Erschließung", "Zugänglichkeit" und "Erlebbarkeit" des Flutgrabens ist schon lange in der Diskussion und der aktuelle Hype um schnelle Radwege und Radautobahnen bietet einen willkommenen Anlass, dieses Thema wieder aufzugreifen. Und es ist eine bequeme Alternative zu den Vorschlägen des Radverkehrskonzeptes, umgeht man doch jegliche Konflikte mit dem Autoverkehr.

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Diese urige Idylle wäre mit dem Radweg passé. Überhängende Äste sind aus Gründen der Verkehrssicherheit untragbar.

Brauchen wir diesen Radweg? Wir meinen, nein! Er wird die Verkehrssituation für RadfahrerInnen kaum entspannen. Sein Streckenabschnitt ist zu kurz, um wirklich eine Nord-Süd-Verbindung zu schaffen. Die Zufahrten werden auf Grund der unvermeidlichen Steigungen am Anfang und Ende insbesondere für Räder mit Anhängern beschwerlich bleiben. Da er nicht beleuchtet wird, beschränkt sich seine Benutzbarkeit, bei vorhandenen oder drohenden Hochwasserlagen bleibt er gänzlich gesperrt.

Die Kosten dafür sind enorm: 2,2 Mio. € Baukosten, 22.000 € jährliche Unterhaltungskosten und ab einem Hochwasserereignis, das durchschnittlich alle zwei Jahre auftritt, 50.000 € Sanierungskosten. Zwar wird beteuert, dass der Bau nicht aus der Stadtkasse finanziert werden soll, sondern über Fördergelder, aber auch diese zahlen wir Steuerzahler. Die Instandhaltungskosten verbleiben bei der Stadt, die sich in der immer wiederkehrenden angespannten Haushaltslage entscheiden muss, ob es nicht vielleicht doch Wichtigeres zu bezahlen gibt.

Neben den monetären Kosten entstehen weitere Verluste: Schätzungsweise 30 % der Bäume müssen für den Bau gefällt werden, weitere Fällungen werden peu à peu aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht erfolgen. An vielen Stellen ist der bestehende Trampelpfad nicht einmal einen halben Meter breit. Die Mindestbreite für einen baulichen Radweg beträgt 1,50m. Da ein zweispuriger schneller Radweg entstehen soll, muss mit der doppelten Breite gerechnet werden. Man kann sich gut vorstellen, wie viele Bäume dafür weichen müssen.

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Für den Eisvogel, der überhängende Äste als Ansitz für den Fischfang braucht, wäre hier wegen der notwendigen Baumfällungen kein Platz mehr.

Die Auswirkungen betreffen nicht nur die dortige Vogelwelt, darunter den Eisvogel, sondern auch die AnwohnerInnen des Schmidtstedter Ufers und des Krämpferufers. Weniger Bäume bieten auch entsprechend weniger Lärmschutz gegenüber der Stauffenbergallee, einer der meist befahrenen Straßen Erfurts. Die Funktion des Flutgrabens im Biotopverbund als grüne Achse Erfurts wird in ganz beträchtlichem Maße geschmälert.

Nicht zuletzt verlieren wir eine weitere Möglichkeit naturgebundener Erholung. Wer mag schon entlang eines schnellen Radweges spazieren gehen oder Waldi Gassi führen wollen?

Um die "Zugänglichkeit" und "Erlebbarkeit" für die Bewohner des Umfeldes zu verbessern, könnten einige zusätzliche Auf- und Abgänge geschaffen werden. Anstelle mit Gewalt ein breites Asphaltband in den Flutgraben zu zwängen, plädieren wir dafür, mit der Umsetzung der dringlichsten Maßnahmen des Radverkehrskonzeptes zu beginnen. Dem Flutgraben aber sollte seine primäre Funktion als Hochwasserschutzanlage gelassen werden, die Nebennutzungen als Biotopverbund und naturgebundene Erholungsmöglichkeit ergeben sich dadurch fast von selbst.

Yvonne Schneemann

 

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Lebendige Bäche in Erfurt

 

Position des NABU Erfurt zu den Gewässerunterhaltungsmaßnahmen in Kerspleben (Dez. 2016)

 

Im „Masterplan Grün“ der Stadtverwaltung Erfurt (Teil des Landschaftsplans) heißt es unter Punkt 4.1.2 Gewässer:

"Die Gewässer 2. Ordnung zählen … zu den ökologisch wertvollsten Bereichen in Erfurt."

Als eines der Ziele wird genannt:

"Fließgewässer ökologisch aufwerten (Verbesserung der Gewässerstruktur) und als grüne Lebensadern entwickeln".

Und so wie auf den beiden nachfolgenden Fotos sieht das dann am Linderbach in Kerspleben in der Praxis aus.

Linderbach_1

 

Das Bachbett wurde vertieft und verbreitert.

Die Kleinlebewesen in dem Gewässer wurden dabei fast komplett ausgeräumt.

Die vorher noch zum Teil vorhandende natürliche Gewässerstruktur wurde beseitigt.

Bäume und Sträucher wurden rigoros abgeholzt.


Linderbach_2

 

Übrig geblieben ist ein ziemlich lebloser Kanal.

Kein Ansitz über dem Wasser für den Eisvogel ist mehr da.

Keine Ufersteine für die Gebirgsstelze und andere Vögel.

Inseln und Flachstellen fehlen.

Die Baumkronen wurden stark gelichtet oder sind ganz weg.

Die Vögel haben sich merklich zurückgezogen.


Eisvogel
  Eisvogel      © Peashooter / PIXELIO

 

Sollen so die "grünen Lebensadern" aussehen?

Wollen wir tote Kanäle statt lebendige Wasserläufe in unserem Wohnumfeld?

Der NABU Erfurt fordert, die Natur an unseren Flüssen und Bächen zu bewahren - im Sinne der Menschen und im Sinne der Tier- und Pflanzenwelt.

Am 11.01.2017 fand in Kerspleben vor Ort ein Treffen der Vorstandsmitglieder des NABU Erfurt Martin Schmidt und Bernd Krüger mit Frau Albrecht, Abt. Gewässerunterhaltung des Garten- und Friedhofsamtes, Herrn Dr. Bößneck, Abt. Naturschutz- und Landschaftspflege des Umwelt- und Naturschutzamtes sowie dem Ortsteilbürgermeister, Herrn Henkel statt.

Es wurden für das Frühjahr 2017 Nachpflanzungen von Bäumen und Sträuchern in den betreffenden Uferbereichen angekündigt. Auf Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur konnte sich nicht verständigt werden. Für die Feinplanung des Hochwasserschutzkonzeptes im Bereich Azmannsdorf/Kerspleben wurde die Beteiligung des NABU Erfurt in Aussicht gestellt.

Im Mai 2017 wurden 10 Apfelbäume nachgepflanzt, alte Sorten. Das ist zu begrüßen. Dennoch kann der langfristige Schaden an der Natur, der das Fließgewässer als Lebensraum betrifft, damit nicht ausgeglichen werden.

Bernd Krüger

 

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